Geschichte

 

Liebe Dießener,

ich darf mich Ihnen auf diesem Weg kurz in Erinnerung rufen. Man nennt mich „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Als Pädagoge habe ich vor langer Zeit die Turnbewegung – damals für die Knabenerziehung – in Deutschland initiiert. So verdankt es der „Männer-Turn-Verein Dießen e.V. von 1879“, meinem Wirken, dass er in diesem Jahr 2019 sein 140-jähriges Jubiläum feiern darf. Alle, die sich dem MTV Dießen verbunden fühlen, sind eingeladen.

Wenn ein so großes „Unternehmen“ mit über 1500 Mitgliedern, von ehrenamtlichen Kräften geführt, alljährlich ein  Sportprogramm auf die (auch Jahnstraßen-)Bühne stellt, dann hat das wahrlich Zulauf verdient.

„Wie man es macht, ist es verkehrt!“ Nicht wirklich; in Dießen hat der gemeinnützige MTV ein kostengünstiges, abwechslungsreiches wie interessantes kleines Fest geplant. Ein Verein kann und darf miteinander feiern!

Mir sind einige chronologische MTV-Gedanken, erinnernd auch an gefallene und verstorbene Vereinsmitglieder, in den Sinn gekommen. Vorausschauend freut es mich abschließend, dass der MTV 1879 Dießen e.V. in der ersten Juni-Woche 2019 seinen 140. Geburtstag feiern will:

 

Es war einmal …

Friedrich Jahn bin ich genannt und komme nun nach Dießen her, um von früher zu berichten, dem Turnverein zur Ehr. Ein Häuflein Männer war 1879 bereit, den Turnverein zu gründen. Sie hofften, dass die Jugend sich zum Turnen werde finden. Der Turnverein wurde seinerzeit in Dießen großgeschrieben, man hatte damals schon gute Turnerriegen. Später waren Herr Seizl und Herr Höchst lange Zeit die ersten Vorstandsmänner. Die Freud´ zum Turnen war schon früh geweckt,
enau wie bei mir und meinen Männern.

Das Vereinslokal war lange das heutige Jugendheim, Herr Tiefenthaler war einst dort Herbergsvater vom ganzen Turnverein. Es waren so manche gute Sportler dabei mit Mut und Kraft, doch leider haben sie dann zwei Kriege brutal hinweggerafft. Im Turngau Weilheim – Werdenfels haben sich unsere Turner auch bewährt und wurden dann vom Gauvorstand mit einem Lorbeerkranz geehrt. Ein lustig Völklein waren die Mädchen und trugen stolz auch ihren Dress mit Pumphosen bis an die Knie, Mensch, waren sie da kess. Und lustige Begebenheiten bei Turnfesten gab es viel einmal, man weiß es noch wie heut, war Landsberg am Lech das Ziel: Zwei Mädchen hatten gar kein Geld und haben sich nicht geniert, sie konnten keine Wurst sich kaufen, drum haben sie Senf aufs Brot geschmiert. Dem Turngau Amper-Würm später zugeteilt der Turnverein aus Dießen blieb stets bereit. Im Jahre 1989 fand in Bamberg das Bayerische Turnfest statt, woran eine große Abordnung aus Dießen auch teilgenommen hat. Dabei die jungen Volleyball-Burschen waren voller Lust am Feiern, und sportlich höchst erfolgreich vertraten sie das heimische Oberbayern. In den Bierschänken der schönen Stadt, hielten sie aus auf dem Kellerfeld; sie bezahlten ihre Zeche – und aus war´s mit dem Geld. Da hatte einer keine Lust mehr, und wollte zurück ganz ruckzuck, d.h. nicht mitfahren heim – im Turner-Sonder-Zug. Unterwegs borgte er sich mit viel Geschick so manche Mark für das Unterfangen, damit er konnte fahren und zum Ammersee gelangen.

Noch wilder war´s im Jahr 1934: In Augsburg mit der Eisenbahn kamen vom Turnfest aus Nürnberg abends 8 Uhr die Dießner Turner an. Den Anschluss nach Hause hatten sie übersehen d´rum mussten sie – notgedrungen – in ein Gasthaus gehen. Dort kamen sie aus dem Maßkrug nicht mehr heraus und fuhren anderntags, früh 5 Uhr, ziemlich angeheitert nach Haus. Doch ehe der Zug abfuhr, merkten sie, es war kaum zu fassen, sie hatten die Fahne in der Wirtschaft zurückgelassen.
Einer holte die Fahne, die andern sind mit dem Zug abgezischt; mit einem Taxi hat dann der Fahnenträger in Augsburg-Hochzoll gerade noch den Zug erwischt. Sie hatten es also wieder einmal geschafft, es war auch höchste Zeit, denn am Bahnhof Dießen stand schon Herr Neher bereit. Er sagte: „Ihr könnt ja noch länger brauchen von Nürnberg heimzureisen, ihr müsst jetzt gleich mit der Fahnenabordnung einem Vereinsmitglied die letzte Ehre erweisen.“

Berlin ist sportlich immer ein gern besuchter Ort und u.a. 1987 und 2005 ist wieder Turnfest dort.
Eine Gruppe Turner fuhr zweimal hin und nimmt Quartier für alle beim zweiten Mal in der nicht mehr geteilten Stadt in einer großen Schulturnhalle. Zum Glück für Nimmermüde, die an der Spree wollen viel erleben, wird dort die Nacht zum Tage, so sind sie lange lokal zugegen. Und singen früh Morgens – lustig von Wein und Bier – erreichen hoffentlich die Straße und fast auch das Quartier.
Glücklicherweise war aber immer frühzeitig im Bettele die MTV-Herbergsmutter (alias Gisela) Sättele. Erwachte vom fröhlichen Gesang sah sie zum Fenster ´naus und dachte – „Die Dieß´ner finden wieder nicht heim – die gehen vorbei am Haus“. Hin und her schwenkte sie die Lampe und schrie – „Hier halt ich die Wacht“, und dachte – „Das wird ein Wettkampf werden – Gute Nacht!“

Es gäbe noch vieles zu berichten, wie es war und wie es sei, doch Schluss für den Moment – mit einem Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei – der Dieß´ner Turnerschar.  Turnvater Jahn darf bald feiern das 140. MTV-Jubiläumsjahrfest der regen Sportgemeinde Dießen, und wünscht für die Zukunft das Allerbeste.

(In Anlehnung an die 1979-Festschrift des MTV aktualisiert für den 140. Vereins-Geburtstag)